Brooks Falls, Camp und Lodge in Katmai National Park
Wer kennt sie nicht, die Bilder von lachsfressenden Bären in Alaska – großformatig sind sie in jeglichen Printmedien zu entdecken. Wir haben uns auf den Weg gemacht dieses Naturschauspiel dreidimensional zu erleben. Live oder gar nicht!
Für uns kristallisierten sich drei Möglichkeiten heraus.
- Am McNeil River gibt es die Möglichkeit Braunbären zu sehen – per Lotterieverfahren werden pro Jahr ca. 250 Permits vergeben.
- Brooks Falls im Katmai Nationalpark – Kostspielig, jedoch noch bezahlbar, wenn frühzeitiges Buchen gelingt, insbesondere für den Campingplatz.
- Auf Kodiak Island gibt es eine besondere Population der Kodiak Braunbären. Man kann sich mit einem Wasserflugzeug zu den unterschiedlichsten Beobachtungsplätzen fliegen lassen, leider ein relativ kostspieliges Vergnügen.
Unsere Wahl fiel auf die Brooks Falls im Katmai Nationalpark und Preserve, den diese Möglichkeit schien für Normalsterbliche erreichbar und auch bezahlbar zu sein – zu mindestens wenn Anchorage der Ausgangspunkt ist.
Die beste Reisezeit zum Bärenbeobachten ist von Juni bis Anfang / Mitte September. In diesem Zeitfenster wird Brooks Camp an den Brooks Falls zugänglich, die Betriebsamkeit und Frequentierung nimmt zu, denn im Juli beginnt die Laichzeit der Rotlachse und somit auch die Hochsaison – mehr Bären gehen nicht! Zur Rushhour sind dann meist ca. 20-25 Bären an den Brooks Falls zu beobachten – was für ein Wahnsinn!
Das Buchungsverfahren für den Campingplatz in Brooks Camp wird schon Anfang Januar freigeschaltet und kann online über www.recreation.gov durchgeführt werden.
Gefühlt waren wir die Ersten die reserviert haben – im Nachhinein eine guten Entscheidung, denn in kürzester Zeit waren die Campingplätze für die Hauptsaison und somit für das Spektakel der Lachwanderung vergeben. Darauf folgte die Buchung der Linienmaschine zwischen Anchorage und King Salmon, wo sich auch das Headquarter des Parks befindet.
Den Weiterflug mit einem Wasserflugzeug Richtung Brooks Camp – ausgehend von King Salmon – buchten wir über Katmai Air (Anfragen über http://www.katmailand.com/ ) möglich. Der Ted Stevens Anchorage International Airport ist leicht überschaubar, die 30 Mann Linienmaschine betreten wir direkt und zu fuß über das Rollfeld.
Die 290 Flugmeilen (ca. 465 km) von Anchorage nach King Salmon fliegen wir mit einer Penair Turboprop Maschine in ca. 70 Minuten. Es werden Ohrstöpsel & Grizzley – Chips verteilt und definitiv auch benötigt! Die Sicht während des Fluges ist schlecht, doch bei unserer Aufregung registrieren wir dieses kaum und uns ist zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst was wir verpassen. In King Salmon gibt es für die kurze Strecke zwischen Flugplatz und dem Wasserflughafen einen von Katmai Air organisierten Bustransfer.
Bei der Ankunft am Wasserflughafen erreichen uns schlechte Nachrichten. Die auch hier bestehende schlechte Sicht behindert das Einfliegen der Touristen ins „Bärenland“. Zu diesem Zeitpunkt weiß keiner wie lange die Piloten noch einfliegen können. Wir bangen und hoffen alle gemeinsam. Eine Stunde Ungewissheit legt unsere Nerven blank und dann steht es fest – wir werden eingeflogen!
Die De Havilland Canada DHC-3 Otter (Registrierung N491K) mit der wir fliegen ist 1962 gebaut worden und nimmt bis zu 10 Passagiere auf. Sie wirkt auf mich wenig vertrauenserweckend und dementsprechend turbulent ist dann auch unserer Flug.
Das ist Alaska!
Der Pilot fliegt tief und nur auf Sicht, uns umgeben Regenwolken, von der Landschaft können wir daher nur minimal die Kulisse wahrnehmen. Wir fliegen im großen Bogen über den Naknek Lake ins Brooks Camp ein. Nach 30 Minuten sind die Strapazen schnell vergessen, denn schon beim Landeanflug begrüßen uns die Bären am Strand – wie wir später erfahren, dem Highway der Bären. Die Angst weicht dabei der Faszination!
Nach einem kurzen „Briefing“ im Visitor Center zum Thema Verhaltensregeln im „Bärenland“ bewegen wir uns zum ersten Mal frei in der Bärenwildnis. Der Marsch zum mit Elektrozaun geschützten Campingplatz dauert wenige Minuten.
Ja! – man hat kurzzeitig ein gutes Sicherheitsgefühl. Das Zelt ist schnell aufgebaut. Die Kosmetikartikel und unsere Fressalien für die kommende Woche verstauen und verriegeln wir sicher in der extra hierfür zur Verfügung stehenden Holzblockhütte.
Braunbären wir kommen!
Es trennt uns nur eine halbe Meile und ein Marsch von ca. 30 Minuten von den Alaska Braunbären! Der Weg zweigt zwischen Brooks Camp und Brooks Lake ab und führt durch den Wald zu den Brooks Falls.
Am Ende erwartet uns eine hölzerne Aussichtsplattform, welche sich ist in zwei Bereiche unterteilt. Der “lower waterfall” hat eine stetig zugängliche Aussichtsplattform, der Ausblick ist reizvoll, jedoch bewundert man hier die Hauptakteure zumeist von hinten.
Bei den “upper waterfall” befindet sich eine Aussichtplattform mit einem ungehinderten und offenem Ausblick auf die Brooks Falls und damit auch auf die Bären in unterschiedlichsten Positionen und Haltungen. Diese Plattform ist gerade in der Rushhour viel besucht und kann Wartezeiten, die von Rangern koordiniert werden, beinhalten.
Wir merken schnell, dass das Übernachten im Brooks Camp seine lohnenswerten Seiten hat. Denn gegen ca. 16:00 Uhr werden auch die letzten Tagestouristen wieder ausgeflogen und die Dagebliebenen haben dann freien Blick auf das Wunder von den Brooks Falls.
Es gibt viele Phasen die Bären in Aktion zu sehen und ihre Grundstimmung zu erfassen. Die einen sind gemütlich und können stundenlang sitzenderweise auf den Lachs warten. Andere verteidigen demonstrativ und hierarchisch ihr Revier. Es gibt Nutznießer und die Mama-Bärin, die ihre „cups“ mitversorgen muss. Dieses Potpourri an Eindrücken lässt uns zwischenzeitlich den konstanten Nieselregen vergessen und vollkommen in das Land der Lachse und Braunbären eintauchen. Beeindruckend ist, dass sich die Bären in keiner Art und Weise beirren lassen.
Fast täglich suchen wir die Plattform an den Brooks Falls auf, denn diese größte Population des Kontinents – sie beträgt ca. 2000 Braunbären – fasziniert und begeistert uns jeden Tag aufs Neue!
Eine weitere Zwischenplattform befindet sich zwischen Brooks Lodge und Brooks Falls. Sie ermöglicht die Beobachtung im Gelände und ist eine gute Abwechslung zu den Szenen an den Wasserfällen. Befinden sich Bären in ihrer Umgebung darf sie nicht verlassen werden. Wie wir schnell feststellen mussten, kann dies bei der Sorte “gemütlicher Bär” bis zu mehreren Stunden dauern.
Die Abende verbringen wir in der für Jedermann zugänglichen Lodge. Der Gästeraum ist komplett beheizt, es gibt ein Lagerfeuer, warmen Tee – dies ist nach manch einer Aktion in der Kälte Goldwert – und warmes Essen in Form eines Buffet!
Die Geräuschkulisse ist laut, jeder möchte seine Erfahrungen mitteilen und austauschen. Es ist eine Foto – Austausch – Börse und ein Netzwerk für jegliche Attraktion.
Der Mix an Menschen ist sehr international, es entsteht schnell ein multikulti Feeling. Abends wird es ruhiger und ein Glas Rotwein am Lagerfeuer kann dann durchaus etwas romantisches haben.
Ein Abend jedoch wird uns bestimmt unvergessen bleiben.
Die bestehende romantische Atmosphäre wird von plötzlichen Begeisterungsrufen unterbrochen- die Menschenmenge stürmt ins Freie und wird Zeuge einer wahrlich unbeschreiblich farbenprächtigen Szenerie über dem saphirblauen See – dem Naknek Lake.
Der Himmel hat sich in eine Farbpalette warmer Töne verwandelt und wird in der Weite von einem Regenbogen untermalt. Für uns war dies ein Naturwunder der ganz besonderen Art.
Dies sind unsere intensivsten Impressionen aus Brooks Camp. Es ist unsere Wahl gewesen ihn auf diese Art kennen zu lernen, jedoch gibt es noch viele weitere Möglichkeiten diesen grandiosen Nationalpark und das “Bärenland” zu erkunden.
- Es gibt mehrere Trails – z.B. zum Dumpling Mountain
- Kajakfahren auf dem Savonoski Loop
- Angeltouren
- Rundflüge
- Touren ins Valley of Ten Thousand Smokes, dieses Gebiet ist der Ursprung für die Entstehung des Katmai Nationalparks
Unsere Empfehlung an Reiseführern für diese Region:













Hallo ihr beiden,
mit Begeisterung habe ich euren Artikel gelesen. Gestern Abend haben wir angefangen, uns mit der Planung unseres nächsten Urlaubs zu beschäftigen. Wir sind beide totale Bärenfans und versuchen immer, möglichst viele von ihnen beobachten zu können. Die Brooks Falls erscheinen uns da auch ideal und wir sind am Überlegen, ob wir dort hin fahren sollen.
Wann genau seid ihr dort gewesen? Mitte/Ende August? Zelt etc. habt ihr sicher aus Deutschland mitgenommen, oder? Wie viele Tage würdet ihr für die Gegend einplanen, wenn ihr nochmal dort hin fahren würdet?
Viele Grüsse
Denny
Hallo Denny,
schön, dass wir dich begeistern konnten – Alaska selbst wird es noch viel mehr.
Wir waren Ende Juli für 5 Tage an den Brooks Falls und haben jeden von diesen Tagen genossen. Weniger als 3 Tage sollten es unserer Meinung nach jedenfalls nicht sein – zumal die Anreisekosten den größten Teil des Aufenthalts ausmachen.
Wir haben unserer Ausrüstung aus Deutschland mitgebracht und aufgrund des doch teilweise feuchten Wetters empfehlen wir ein qualitativ hochwertiges Zelt und einen warmen Kunstfaserschlafsack.
Viel Spaß bei der weiteren Planung!
Grüße aus Hamburg,
Joanna und Daniel